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Dr. med. Ruth Matter
ein Leben der Hingabe an eine Aufgabe
«Unsere Aufgabe ist es, uns bewusst ein zutreffenderes Bild vom Menschen zu erarbeiten, vom Menschen, wie er seiner Ausrüstung nach ist, und von den Entfaltungsmöglichkeiten, die sich daraus ergeben, und nicht vom Menschen, von dem wir aus irgendwelchen weltanschaulichen, affektiven, ökonomischen oder sonstigen Gründen wünschen, dass er so oder so zu sein habe.» (Heinrich Jacoby, Jenseits von ‘Begabt’ und ‘Unbegabt’).
Dieser Aufgabe hat sich Ruth Matter seit ihrer ersten Begegnung mit Elsa Gindler und Heinrich Jacoby gewidmet. Der von Elsa Gindler und Heinrich Jacoby 1934 in Trogen gemeinsam geführte Einführungskurs war es, der ihrem Leben eine entscheidende Wende gab, sodass sie es fortan weitgehend in den Dienst der «Arbeit» stellte, sich später auch entschloss, das Studium der Medizin aufzunehmen. Vorerst aber galt die Sorge dem Überleben Heinrich Jacobys in der Zeit des Dritten Reiches.
Dass der politisch und rassisch verfolgte, mittellose Emigrant Heinrich Jacoby nicht aus der Schweiz in den sicheren Tod nach Deutschland zurück geschickt wurde, sondern hier ohne materielle Sorgen überleben und weitgehend ungehindert seine Arbeit fortsetzen konnte, ist in erster Linie Ruth Matter zu verdanken.
Um Jacobys Überleben in der Schweiz zu sichern, setzten Ruth und Edith Matter alle ihnen verfügbaren Mittel ein. Sie garantierten die materielle Unterstützung, was zugleich eine entscheidende Voraussetzung der Gewährung der Aufenthaltserlaubnis war; sie suchten massgebliche Persönlichkeiten aus dem Erziehungswesen und der Verwaltung für seine Arbeit zu interessieren, um deren Fürsprache bei der Fremdenpolizei, die ihn abweisen wollte, zu gewinnen und eine Arbeitsbewilligung im Rahmen der «Vereinigung zur Förderung der Begabungsforschung» zu erreichen.
Ruth Matter war zumindest, was das Geschäftliche und die Organisation seiner Kurse anlangte, Jacobys Sekretärin bis zu seinem Tod; und sie betreute ihn bis zuletzt in der Toblerstrasse in Zürich, wo sie das ganze Haus um seinetwillen gemietet und eingerichtet hatte. Sie war zusammen mit ihrer Schwester Edith von Heinrich Jacoby an zweiter Stelle im Testament eingesetzt, für den Fall, dass Sophie Ludwig vorzeitig sterbe, die Verantwortung für den Nachlass zu übernehmen.
Sie beteiligte sich an der Arbeit am Nachlass, vor allem bei der Bearbeitung und Kürzung des Manuskriptes zu Jenseits von “Begabt” und “Unbegabt”, unterstützte Sophie Ludwig bei der langwierigen, mühsamen Suche nach einem Verlag, beriet sie bei der Korrespondenz und den Verhandlungen mit Verlegern.
An der Gründung der Heinrich-Jacoby/Elsa-Gindler-Stiftung Berlin war sie wiederum mit Rat und Tat sowie finanzieller Unterstützung beteiligt.
Nach Heinrich Jacobys Tod 1964 begann Ruth Matter mit seinen Schülern und auch mit neuen, die hinzukamen, zu arbeiten. Über 30 Jahre hat sie uns begleitet und war uns Vorbild. Sie verstand sich als Dienerin am Lebenswerk ihrer beiden grossen Lehrer.
Dr. phil. Jeanine Buol Hug
Dr. phil. Maya Rauch
(Auszug aus: Ruth Matter - ein Leben für «die Arbeit»)
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