Der achtsame Umgang mit Dingen wie mit Menschen
entspringt dem
achtsamen Umgang mit sich selber



Organismische Selbstreflexion

Vertiefte Einführung in die JACOBY/GINDLER-ARBEIT

Heinrich Jacoby (1889-1964) war Musiker und Musikpädagoge. Wie ist es möglich, fragte er sich, dass die Schüler - alle guten Willens - so unterschiedliche Leistungen erbringen? Die naheliegende Antwort, sie seien halt unterschiedlich begabt, genügte Jacoby nicht. Denn „begabte“ Schüler konnten stagnieren, „unbegabte“ Schüler ansprechende Leistungen entwickeln. Für Jacoby stand fest, dass

  • Begabung (Anlage) nicht entscheidend ist für das Erbringen einer qualifizierten Leistung
  • begabte Leistung erlernt bzw. erarbeitet werden kann. Jeder Mensch verfügt dazu über genügend Anlagen. Jacoby nennt sie biologische Ausrüstung.

Das ist nun an sich noch keine besonders bemerkenswerte Feststellung. Es gibt viele therapeutische und pädagogische Methoden und Techniken, die sich mit Lernen beschäftigen. Was Jacoby auszeichnet, ist hingegen die Antwort, die er auf eine weitere wesentliche Frage gibt: Woran liegt es, dass derselbe Schüler einmal eine ansprechende und das nächste Mal eine sehr unbefriedigende Darbietung mit dem Musikinstrument erbringt?

Jacoby erkannte im Laufe seiner Tätigkeit, dass es nicht primär an der Lernmethode liegt, sondern an der Qualität des Verhaltens, an der A r t der Auseinandersetzung mit dem Musikinstrument, den Noten usw., d.h. w i e sich jemand zur Aufgabe v e r h ä l t.

Er stellte weiter fest, dass sich geeignetes Verhalten nicht einfach durch eine Willensleistung bestimmen oder erzwingen lässt im Sinne, wo ein Wille ist, ist auch ein Weg, sondern umgekehrt: das körperliche „Verhalten“ beeinflusst wesentlich die Qualität der Leistung. Somit war es für Jacoby unumgänglich, dieses in die Auseinandersetzung mit Lern- und Leistungsprozessen mit einzubeziehen. Jacoby spricht von der Wahrnehmung des „Gesamtzustandes“. Die Erarbeitung der dafür erforderlichen konkreten Praxis ist eines der wesentlichen Verdienste Jacobys.


Der Körper ist das Instrument,

auf dem die Partitur des Lebens gespielt wird



In unserem Körper vollziehen sich alle Prozesse, manifestieren sich alle - seien es kognitive oder manuelle - Tätigkeiten. Er ist das Instrument, auf und in dem die Partitur des Lebens gespielt wird.

Die JACOBY/GINDLER-ARBEIT kümmert sich sozuagen um die Ausstattung und die Wartung dieses Instrumentes. Mittel ist die Nachentfaltung oder organismische Selbstreflexion.

Die Wahrnehmung, das Bewusstwerden und Reflektieren der eigenen Verhaltensqualität (Gesamtzustand) beim Erbringen einer Leistung sowie deren Auswirkung auf andere ist für Jacoby die Voraussetzung jeglicher qualifizierten Tätigkeit.

Jacoby fand bei Elsa Gindler (1885-1961) die geeignete Praxis zur bewussten Wahrnehmung von Körperprozessen. Gindler war Gymnastik- und Bewegungslehrerin und entwickelte eine Körperarbeit für funktionsgemässe Bewegung.

Gindler gab ihrer Arbeit keinen spezifischen Namen. Die Bezeichnung JACOBY/GINDLER-ARBEIT entstand erst viel später, nach deren Tod. Da als Synonym oft der Begriff SENSORY AWARENESS benutzt wird, sei hier dessen Entstehung und Bedeutung kurz erläutert.

Charlotte Selver (1901-2003), eine Schülerin von Gindler und Jacoby, musste 1938 in die USA emigrieren. Sie begann dort zu praktizieren und entwickelte ihren eigenen Ansatz mit dem Namen SENSORY AWARENESS. Selver unterrichtete u.a. am Esalen Institute in Big Sur. Viele namhafte Persönlichkeiten besuchten ihre Kurse wie z.B. der Psychoanalytiker Erich Fromm, der Begründer der Gestalttherapie Fritz Perls oder der Zen-Philosoph Alan Watts. Charlotte Selver beeinflusste entscheidend das ‚Human Potential Movement’, die humanistische Psychologie, speziell die Gestalttherapie von Fritz Perls und seiner Frau Laura Posner Perls. Diese stand bereits vor ihrer Emigration in Kontakt mit Elsa Gindler in Berlin.

Im Zentrum der Praxis von Gindler und Selver steht die bewusste (Sinnes-) Wahrnehmung von organismischen Abläufen. Gindler benutzte für das Erspüren der natürlichen organismischen Verhaltensweisen den Begriff Propriozeption. Er entspricht der heutigen Achtsamkeit. Selver hat es auch schon als „angewandtes Zazen“ bezeichnet.

Every moment is a living moment



Gindler und Selver experimentierten mit elementaren Bewegungen wie Gehen, Stehen, Liegen, Sitzen oder Lasten heben, aber auch mit alltäglichen Tätigkeiten wie Geschirr spülen, Putzen, Kochen usw. Es geht darum, die Zusammenhänge von Atem, Muskeltätigkeit und Schwerkraft zu erkennen und die optimale funktionsgemässe Bewegung zu erkunden.

Oft führen wir Bewegungen mit überschüssiger Kraftanstrengung aus, spannen Muskeln unnötig an, stören den Atem oder verkrampfen uns auch da, wo uns eigentlich die Schwerkraft die „Arbeit“ abnehmen würde. Im Stehen oder Sitzen, aber auch beim Denken sind wir oft „angespannt“. Diese „Ladung auf Vorrat“, wie es Jacoby nennt, führt zu Verkrampfungen und hindert uns an spontanem Verhalten, sei es beim Musikinstrument spielen oder beim Vortrag zu halten.

Dazu ein Beispiel: Ich führe eine Tasse Kaffee zum Mund.

  1. Ich nehme mein Bedürfnis wahr, Kaffee trinken zu wollen.

  2. Ich nehme die volle Tasse wahr und lasse mich von ihr einstellen. Die berühmte Frage von Gindler und Jacoby lautet: Ding, was willst du von mir?

  3. Ich führe meine Hand zur Tasse und halte sie.

  4. In diesem nun wichtigen Moment - der Zeitspanne vom Anfassen der Tasse bis zu deren Anheben - werde ich gewahr, wieviel Kraft ich aufwenden muss bzw. im Jacoby-Terminus mir zufliesst, um die Tasse anzuheben und dann zum Mund zu führen. Gewahr werden heisst natürlich nicht kognitiv „wissen“. Die Kraft bzw. das Gewicht der Tasse kann natürlich nicht mit Masseinheiten angegeben werden, sondern Tasse, Tisch, Organismus, Boden und vielleicht sogar der Raum, in dem wir uns befinden, werden zu einem System bzw. einer Einheit. Die - in der Regel meist unbewusste - Handlung wird zu einem ganzheitlichen Erlebenskreislauf, in dem alle beteiligten Teile ineinandergreifen, sich gegenseitig bedingen und voneinander abhängig sind.

  5. Mein Organismus baut von selbst jene Ladung bzw. Kraft auf, die benötigt wird, die Tasse zum Mund zu führen. Und insofern sich die Aufgabestellung nicht im Grenzbereich der körperlichen Kräfte bewegt, vollziehen sich solche Abläufe in der beschriebenen Weise zweckmässig, d.h. mit der dazu nötigen minimalen Energie. Zudem:

  6. Das Zurückstellen der Tasse nach dem Trinken dient gemäss Jacoby und Gindler bereits der Erholung des Organismus, indem ich einfach nach und nach „beziehungsvoll“ dem Schwergewicht von Tasse und Arm nachgebe. Die Tasse schwebt sozuagen wie eine Feder bis auf die Tischplatte nieder.

In der routinierten bzw. eingeschliffenen oder unbewussten Verhaltensweise halte ich in der Regel die Tasse sozusagen mit einer Kraft bzw. Ladung auf Vorrat, die weit über die durch das Gewicht der Tasse bestimmte erforderliche Kraft hinausgeht. Desgleichen halte ich die Tasse beim Zurückstellen mit der gleichen überschüssigen Kraft, obwohl sie nach dem Trinken zudem ja leichter geworden ist.

Die beiden Varianten können mit Vektoren folgendermassen dargestellt werden:



Ich beschreibe dieses banale Beispiel so ausführlich, weil es mir symptomatisch erscheint für Jacobys Idee des zweckmässigen Verhaltens. Die erwähnte Ladung auf Vorrat lässt sich transponieren in Verhalten auf Vorrat, sei es beim Klavierspielen, Bericht schreiben, vor einer Schulklasse stehen oder auch beim Lösen einer kognitiven Aufgabestellung.

Eine Leistung zu erbringen oder ganz allgemein gesagt, eine Tätigkeit zu verrichten ist somit wie beschrieben nicht einfach das Resultat eines Willensaktes. Die Qualität der Leistung hängt von zwei Bedingungen meines Verhaltenszustandes ab.

a) Bereitschaft

Kann ich mich interessieren und mobilisieren für die Aufgabe?

Kann ich bereit werden, still werden und meinen Organismus einstellen auf die Aufgabe?

Gindler: Konzentration im Sinne von Wachheit, propriozeptives Verhalten (Achtsamkeit)

Jacoby: Gewahrsein, Antenniges Verhalten

In der Gestaltarbeit: Kreative Indifferenz, mittlerer Modus

b) Einstellwirkung

Kann ich wahrnehmen, was die Aufgabe, der Mensch, der Gegenstand von mir „will“?
Jacoby, Gindler: Ding, was willst du von mir? (Empathie, Intuition)
Buber spricht vom „Zwischen“, der Künstler Beuys von der „Wahrnehmung für die innere Substanz der Dinge“.

Jacoby prägte für diese Qualität des Verhaltens (im Zusammenspiel von Körper, Geist und Umwelt) den Begriff „Empfinden für das Stimmende“. Er entspricht in der Gestaltarbeit jenem der „Organismischen Selbstregulation“, verwandt jenem der „Autopoiese“ von Maturana und Varela. (Vgl. auch Herrigel, Zen in der Kunst des Bogenschiessens)


Handeln aus der Unmittelbarkeit

der inneren Stille des Selbst



Die organismische Selbstreflexion bildet das Kernelement der JACOBY/GINDLER-ARBEIT Sie beinhaltet das Erkunden und Optimieren des eigenen Verhaltenszustandes im Zusammenspiel mit einem Gegenüber (Umwelt), sei es eine zu lösende Aufgabe, eine Person oder ein Gegenstand.

Die „Fähigkeit“ oder Achtsamkeit für ein optimales Zusammenspiel, ein zweckmässiges Verhalten, kann erlernt bzw. erarbeitet werden. Jacoby prägte für diesen Prozess den Begriff „Nachentfaltung“. An Hand von Beispielen aus dem Alltag wie dem oben beschriebenen können wir geeignete Verhaltensweisen erproben und mit den störenden, unzweckmässigen vergleichen. In den Worten Jacobys: tastend probieren, erwägen, verwerfen und neu erwägen. In diesem bewussten Prozess von Routine-Stolpern-Probieren (Biedermann) lernen wir, Vertrauen in die Fähigkeiten des Organismus, d.h. in uns selbst zu entwickeln.


Einmal erfahren, wird der Organismus dieses kreative Potential bei anstehenden Aufgaben ins Bewusstsein holen und situationsadäquate Lösungsvorschläge „anbieten“. Wenn wir achtsam genug sind oder versuchen, es zu werden, um die Signale (das „Empfinden für das Stimmende“) wahrzunehmen.

Es liegt jedoch in der Natur des Menschseins, dass ein optimales Funktionieren nicht die Regel ist und immer wieder von Störungen beeinträchtigt wird. Deshalb bedarf es einer stetigen bewussten Praxis der Nachentfaltung. Ja, Störungen sind gemäss Jacoby geradezu existenziell notwendige und wichtige Hinweise und Hilfestellungen. Alle Lernprozesse sind mit Widerstand verbunden. Das geeignete Verhalten kann nur im Vergleich zum unzweckmässigen Verhalten gelernt werden. Fehler machen ist also ein unabdingbarer Teil des Lernprozesses. Buber: Unser Weg baut sich aus Verlusten, die heimlich zu Gewinnen werden.

Hier zeigt sich ein weiteres Kernelement der JACOBY/GINDLER-ARBEIT. Die Lern- und Einsichtsprozesse im Rahmen der organismischen Selbstreflexion vollziehen sich in individueller und persönlicher Qualität und Geschwindigkeit. Sie sind relativ, die Resultate stehen immer in Bezug zum jeweiligen Ausgangspunkt der einzelnen Person.

Das heisst, Jacoby und Gindler machen keine allgemein gültigen Vorgaben, wie adäquates Verhalten zu sein hat. Sie formulieren keine standardisierten Übungen und Regeln im Sinne einer angewandten „Körpertechnik“. Es gibt kein grundsätzlich „richtiges“ oder „falsches“ Verhalten. Das momentane Verhalten ist gemäss Jacoby solange das richtige für uns, bis wir ein allfenfalls geeigneteres erkennen. (Vgl. auch Beissers „Paradoxe Theorie der Veränderung“)

Das ist nicht nur tröstlich, sondern verweist auch auf das zu Grunde liegende Menschenbild. Der Mensch ist, so wie er ist, in Ordnung. Er befindet sich jedoch in einem stetig sich verändernden Lebensprozess und kann, wenn er es wünscht und interessiert dafür ist, jederzeit einen Entwicklungsprozess machen und zu neuen Einsichten kommen.

Dies geschieht nicht durch das Anwenden anerlernter Techniken, welches nach Jacoby nicht zu authentischem Verhalten führt, sondern durch das eigenständige Sich-Erarbeiten neuer Erkenntnisse und Einsichten. (Lernen durch Einsicht, wieder holen statt wiederholen). Dazu erscheint der strukturierte methodische Ansatz von Jacoby und Gindler ausgesprochen geeignet.

Das methodische Vorgehen basiert auf

  • Autodidaktik
    Eigenständiges, selbstverantwortliches Durchführen der Versuche
    Vorgaben hinterfragen und anpassen an die eigenen momentanen persönlichen Bedürfnisse und Zusammenhänge
    Die Ergebnisse der Lern- und Entwicklungsschritte sind relativ und werden in Bezug auf den persönlichen Ausgangspunkt hin gemessen.

  • Improvisation
    Experimentelles Probieren an Hand eines Fallbeispiels aus dem Alltag
    Vergleichen von geeigneten mit unzweckmässigen Verhaltensweisen
    Vom Organismus „vorgeschlagene“ Verhaltensweisen ausprobieren
    Lernen durch Einsicht (Routine-Stolpern-Probieren)

  • Propriozeption (Achtsamkeit)
    Still werden, achtsame Bereitschaft, kreative Indifferenz
    Antenniges Verhalten (Sinneswahrnehmung)
    „Ding, was willst du von mir?" (Empathie, Intuition)
    „Empfinden für das Stimmende“

Im Prozess der organismischen Selbstreflexion wird das Vertrauen in die Fähigkeiten des Organismus gestärkt. Der Situation angemessene, kreative, sich selbst bewusste Verhaltensweisen werden nachhaltig gefördert. Störende, beeinträchtigende Verhaltensweisen können ebenso wie sogenannte „unbegabte“ Leistungen gewandelt werden.


Wer sich selbst wandelt, wandelt die Welt


Inhaltlich lässt sich der Ansatz von Jacoby und Gindler in drei verschiedene Ebenen oder Prozesse gliedern.

Eigene Nachentfaltung

(Therapeutischer Selbsterfahrungsprozess)

Die eigenen störenden „routinierten“ Verhaltensweisen sowie deren Wirkung auf andere können erkannt und verändert werden, mittels einer stetigen bewussten Auseinandersetzung mit dem eigenen Organismus. Diese „organismische“ Selbstreflexion bildet die Voraussetzung für einen achtsamen und sorgfältigen Umgang nicht nur mit sich selbst, sondern auch mit anderen Menschen. Sie begünstigt das psycho-physische Gleichgewicht und fördert ein Handeln aus der Unmittelbarkeit der inneren Stille.

Achtsamer Umgang mit dem Du

(Pädagogischer Prozess)

Der bewusste achtsame Umgang mit sich selber führt zu einem die Entfaltung fördernden Verhalten gegenüber anderen Menschen. Die didaktisch hiefür entsprechende „sokratische“ Vorgehensweise („geeignete Aufgabe- und Fragestellungen“ statt Vorgeben und Repetierenlassen) begünstigt die Entwicklung der kreativen und produktiven Potentiale im Gegenüber. Dies gilt vor allem auch für den Umgang mit Kindern. Der Einbezug der Praxis der „organismischen“ Selbstreflexion als Voraussetzung pädagogischen Handelns darf als Jacobys wesentliches Verdienst für die Pädagogik gewertet werden.

Achtsame Gemeinschaft

(Sozialer Prozess)

Eine solche bewusste und sorgfältige Auseinandersetzung fördert gemäss Jacoby demokratische und humanistische Denk- und Verhaltensweisen und führt zu „menschlicheren Mitmenschen“. Die soziale Utopie Jacobys war, dass dieser Prozess im Sinne einer Art kopernikanischen Wende nachhaltig zu einer „besseren“ Welt führen könne.

Jacoby und Gindler verstehen ihren Ansatz nicht als eigentliche Körper- oder Psychotherapie als Methode zur Heilung von psychischen oder körperlichen Krankheiten und Symptomen. Die JACOBY/GINDLER-ARBEIT kann jedoch solche Heilungsprozesse, bei entsprechender medizinischer oder psychotherapeutischer Begleitung, unterstützen und fördern.

Der methodisch-didaktische Ansatz der JACOBY/GINDLER-ARBEIT setzt früher und grundlegender an. Es handelt sich sozusagen um eine übergeordnete, oder besser gesagt untergeordnete, zugrunde liegende PRÄ-METHODE. Mit ihr kann eine individuelle und optimale psycho-physische Verhaltensgrundlage erarbeitet werden.


Authentisches, erfüllendes Dasein
im Hier und Jetzt



Ein Grundverhalten, das von dieser achtsamen Präsenz geprägt ist, ermöglicht unmittelbares und authentisches Reagieren und Handeln aus der inneren Stille des Selbst. Es bildet die Grundlage für jegliche qualifizierte Tätigkeit im Leben und schafft Sinn.

Die JACOBY/GINDLER-ARBEIT ist in zweierlei Hinsicht bedeutend und aktuell. Zum einen bietet sie wie beschrieben eine autodidaktische Praxis für das eigene psycho-physische Gleichgewicht.

Darüber hinaus leistet sie einen wertvollen Beitrag für die therapeutische und pädagogische Tätigkeit, für Berufspersonen wie auch für Eltern. Der Einbezug der organismischen Selbstreflexion als grundlegende Voraussetzung jeglicher therapeutischer oder pädagogischer Tätigkeit darf als Jacobys eigentliches Verdienst betrachtet werden.

Der methodische Ansatz von Jacoby und Gindler ist über Selver nachhaltig in die humanistische Psychologie eingeflossen und bildet einen wichtigen Bestandteil z.B. der gestalttherapeutischen Praxis.

In der Pädagogik wurde das der Reformpädagogik nahestehende Gedankengut, bei zunehmender Anerkennung in den 20-er Jahren, nach dem Krieg nicht mehr seiner Bedeutung entsprechend beachtet und rezipiert. Ein Schicksal, das nicht nur Jacoby und Gindler, sondern so vielen anderen Wissenschaftlern und Künstlern widerfahren ist. Der geistige und künstlerische Aufbruch mehrer Generationen wurde 1933 abrupt zerstört.


Hannes Zahner, Dezember 2008





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