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Handeln aus der Unmittelbarkeit

der inneren Stille des Selbst





Jacoby/Gindler-Arbeit

Sensory Awareness

Organismische Selbstreflexion

Es gibt viele Methoden, die sich mit dem Verhalten und der Veränderung störender Verhaltensweisen beschäftigen. Was zeichnet die JACOBY/GINDLER-ARBEIT aus? Sie bezieht konsequent in jede Auseinandersetzung den Körper mit ein als jenes Instrument, auf dem die Partitur des Lebens gespielt wird, d.h. in dem sich alle Prozesse vollziehen, in dem sich alle - seien es kognitive oder manuelle - Tätigkeiten manifestieren. Die Qualität dieser Prozesse, die Qualität des Verhaltens wird wesentlich vom momentanen Zustand dieses „Instrumentes“ beeinflusst. Die JACOBY/GINDLER-ARBEIT kümmert sich sozusagen um die Ausstattung und die Wartung dieses Instrumentes.

Konkretes individuelles Ziel der JACOBY/GINDLER-ARBEIT ist ein achtsamer und wacher Umgang mit sich selber und in der Folge ein gelassener und zugleich leistungsfähiger Umgang mit den Anforderungen der „Umwelt“, d.h. mit anderen Menschen, insbesondere auch mit Kindern. Grundlegende Zielsetzung des Ansatzes von Jacoby und Gindler ist die Entfaltung des Menschen. Sie intendiert Entwicklung und Wachstum zu kreativem, sinngebendem Sein.

Im methodischen Ansatz von Jacoby und Gindler können drei verschiedene Ebenen oder Prozesse unterschieden werden.

Eigene Nachentfaltung

(Therapeutischer Selbsterfahrungsprozess)

Die eigenen störenden „routinierten“ Verhaltensweisen sowie deren Wirkung auf andere können erkannt und verändert werden, mittels einer stetigen bewussten Auseinandersetzung mit dem eigenen Organismus, dem eigenen Gesamtzustand. Diese „organismische“ Selbstreflexion bildet die Voraussetzung für einen achtsamen und sorgfältigen Umgang nicht nur mit sich selbst, sondern auch mit anderen Menschen. Sie fördert ein Handeln aus der Unmittelbarkeit der inneren Stille.

Achtsamer Umgang mit dem Du

(Pädagogischer Prozess)

Der bewusste achtsame Umgang mit sich selber führt zu einem die Entfaltung fördernden Verhalten gegenüber anderen Menschen. Die hiefür entsprechende „sokratische“ Vorgehensweise („geeignete Aufgabe- und Fragestellungen“ statt Vorgeben und Repetierenlassen) begünstigt die Entwicklung der kreativen und produktiven Potentiale im Gegenüber. Dies gilt vor allem auch für den Umgang mit Kindern. Der Einbezug der Praxis der „organismischen“ Selbstreflexion als Voraussetzung pädagogischen Handelns darf als Jacobys wesentliches Verdienst für die Pädagogik gewertet werden.

Achtsame Gemeinschaft

(Sozialer Prozess)

Eine solche bewusste und sorgfältige Auseinandersetzung fördert gemäss Jacoby demokratische und humanistische Denk- und Verhaltensweisen und führt zu „menschlicheren Mitmenschen“. Die soziale Utopie Jacobys war, dass dieser Prozess im Sinne einer Art kopernikanischen Wende nachhaltig zu einer „besseren“ Welt führen könne.


Wer sich selbst wandelt, wandelt die Welt


Jacoby und Gindler verstehen ihren Ansatz nicht als eigentliche Körper- oder Psychotherapie im Sinne einer Methode zur Heilung von psychischen oder körperlichen Krankheiten und Symptomen. Die JACOBY/GINDLER-ARBEIT kann jedoch solche Heilungsprozesse, bei entsprechender medizinischer oder psychotherapeutischer Begleitung, unterstützen und fördern.

Der streng methodisch-didaktische Ansatz der JACOBY/GINDLER-ARBEIT setzt früher und grundlegender an. Es handelt sich sozusagen um eine übergeordnete, oder besser gesagt untergeordnete, zugrunde liegende PRÄ-METHODE. Mit ihr kann eine individuelle und optimale psycho-physische Verhaltensgrundlage erarbeitet werden.


Das Vertrauen in die Fähigkeiten des Organismus, das Selbst-Vertrauen wird gestärkt. Der Situation angemessene, kreative, sich selbst bewusste Verhaltensweisen werden nachhaltig gefördert. Störende, beeinträchtigende Verhaltensweisen können ebenso wie sogenannte „unbegabte“ Leistungen gewandelt werden.

Einmal erfahren, wird der Organismus dieses kreative Potential jederzeit bei Bedarf ins Bewusstsein holen und situationsadäquate Lösungen eröffnen. Wenn wir es denn zulassen! D.h., wenn wir genügend achtsam sind oder versuchen, es zu werden, um die Signale wahrzunehmen. Jacoby nennt es das „Empfinden für das Stimmende“. Es entspricht der „organismischen Selbstregulation“ in der Gestaltarbeit.


Der achtsame Umgang mit Dingen wie mit Menschen
entspringt dem achtsamen Umgang mit sich selber


Ein Grundverhalten in dieser achtsamen Präsenz ermöglicht unmittelbares und authentisches Reagieren und Handeln aus der inneren Stille des Selbst. Es bildet die Grundlage für jegliche qualifizierte Tätigkeit im Leben und schafft Sinn.

Diese „organismische“ Praxis der Selbstwahrnehmung oder Selbstreflexion bildet in der JACOBY/GINDLER-ARBEIT die Basis für die Auseinandersetzung mit dem eigenen Verhalten, dem eigenen Gesamtzustand. Sie steht immer in Bezug zu einer konkreten Problem- oder Aufgabestellung aus dem eigenen Alltag. An deren Beispiel kann der Unterschied zwischen geeignetem und unzweckmässigem Verhalten experimentell erprobt und erfahren werden. Es findet ein Entwicklungsprozess statt, der das Vertrauen in den Organismus stärkt, die kreativen, schöpferischen Kräfte entfaltet und die kognitive „Beweglichkeit“ fördert.


Authentisches, erfüllendes Dasein im Hier und Jetzt


Was wir heute mit JACOBY/GINDLER-ARBEIT oder SENSORY AWARENESS benennen, ist eine Synthese der Forschungsarbeiten von Heinrich Jacoby und Elsa Gindler. Gemeinsam haben sie in den 20-er Jahren des letzten Jahrhunderts ihre Erkenntnisse zu einem ganzheitlichen methodischen Ansatz entwickelt.

Heinrich Jacoby war Musiker und Pädagoge. Im Laufe seiner Lehrtätigkeit erkannte er, dass authentisches und leistungsfähiges Sein und Handeln eines Menschen wesentlich von der Qualität seines Verhaltenszustandes abhängt. Seines momentanen Verhaltenszustandes wohlverstanden, denn minderbegabte oder beeinträchtigte Leistungen müssen gemäss Jacoby nicht als naturgegeben hingenommen werden.

Mittels einer bewussten Auseinandersetzung mit dem eigenen Verhalten können störende, verkrampfte Verhaltensweisen erkannt und verändert werden. Begabte, qualifizierte Leistungen können erarbeitet werden, auch dort, wo sich jemand für vermeintlich unbegabt hält. Erforderlich ist dazu ein methodisch strukturierter Prozess der bewussten Nachentfaltung. Das in jedem Menschen angelegte produktive und kreative Potential kann (wieder) freigelegt und im vollen Umfang genutzt werden. Da jedoch Störungen in der Natur des Menschseins liegen und sich immer wieder ereignen, bedarf es einer stetigen Erneuerung der Nachentfaltung. Ja, die Störungen sind gemäss Jacoby geradezu notwendige Hinweise oder Hilfestellungen, einen aktuell anstehenden Lern- und Entwicklungsprozess zu vollziehen.

Elsa Gindler, ursprünglich Gymnastik- und Bewegungslehrerin, entwickelte eine Körperarbeit von der „harmonischen“ hin zur funktionsgemässen Bewegung. An Hand von alltäglichen Bewegungsabläufen wie Gehen, Stehen, Sitzen, Liegen oder Lasten heben experimentierte Gindler mit der (Sinnes-) Wahrnehmung der Zusammenhänge von Atem, Muskeltätigkeit und Schwerkraft. Sie stellte den Begriff „Propriozeption“ ins Zentrum ihrer Arbeit, er entspricht heute jenem der „Achtsamkeit“. Ihre Praxis kann als phänomenologische „meditative Körperarbeit“ bezeichnet werden. Körper im ganzheitlichen Sinne eines Zusammenwirkens von Leib, Seele und Geist. Charlotte Selver bezeichnete die Arbeit auch als „angewandtes Zazen“.


Every moment is a living moment


Der synonym zu JACOBY/GINDLER-ARBEIT verwendete Begriff SENSORY AWARENESS wurde von Charlotte Selver, einer Schülerin von Gindler und Jacoby, geprägt. Sie führte die Arbeit nach ihrer Emigration in die USA (1938) weiter und entwickelte ihren eigenen Ansatz. Sie unterrichtete u.a. am Esalen Institute in Big Sur. Viele namhafte Persönlichkeiten besuchten ihre Kurse wie z.B. der Psychoanalytiker Erich Fromm, der Begründer der Gestalttherapie Fritz Perls oder der Zen-Philosoph Alan Watts. Charlotte Selver beeinflusste entscheidend das ‚Human Potential Movement’, die humanistische Psychologie, speziell die Gestalttherapie von Fritz Perls und seiner Frau Laura Posner Perls Diese stand bereits vor ihrer Emigration in Kontakt mit Elsa Gindler in Berlin.

Die JACOBY/GINDLER-ARBEIT ist in zweierlei Hinsicht bedeutend und aktuell. Zum einen bietet sie wie beschrieben eine autodidaktische Praxis für das eigene psycho-physische Gleichgewicht.

Darüber hinaus leistet sie einen wertvollen Beitrag für die therapeutische und pädagogische Tätigkeit, für Berufspersonen wie auch für Eltern. Der Einbezug der organismischen Selbstreflexion als grundlegende Voraussetzung jeglicher therapeutischer oder pädagogischer Tätigkeit darf als Jacobys eigentliches Verdienst betrachtet werden.

Hannes Zahner

Dezember 2008




Vertiefte Einführung in die «JACOBY/GINDLER-ARBEIT»




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